2012-05-23

Nachträge III

El Ateneo und Kaffeekultur.

Eines Tages begab es sich, dass ich im berühmten El Ateneo einen Platz fand: ein großes Haus, ein ehemaliges Theater, gegenwärtig und schon seit ein paar Jahren jedoch, ein Buchladen. So ungewöhnlich das Konzept klingen mag, so gewöhnlich und enttäuschend die Aufmachung. Ich hatte eher das Gefühl, einen Teil einer Filialwelt von innen zu betrachten. Prinzipiell eine "Touristenfalle", da in jedem Reiseführer erwähnt, konkret ein Ort, der weder vielfältige noch eine (angekündigte) unvergessliche Atmosphäre bot.
Natürlich gilt, dass ein Theater nicht unbedingt Buchhandlungen integriert (wobei auch Theater diese "Grabbeltische" vor dem Anfang eines Stücks mit Büchern decken), sodass von einer Erwähnung ausgegangen werden darf - von einer Außergewöhnlichkeit jedoch meines Dünkens nicht.
Mein Buchblick suchte Borges, fand ihn zwar, in einer ganzen Reihe nur einer Verlagsedition, aber eine internationale Auswahl fehlte. So blieb mir das obige Buch, Gesammelte Poesie.
Während ich den teuersten Café con leche in ganz Buenos Aires trank und, man glaube mir, ich probierte viele Cafés, transportierte bzw. schummelte ich zwei der gesammelten Gedichte in mein Notizbuch, die Borges selbst in Englisch publizierte. Von einem Transfer-Verlust kann also nicht ausgegangen werden.

TWO ENGLISH POEMS (TO BEATRIZ BIBILONI WEBSTER DE BULLRICH)
I
The useless dawn finds me in a deserted street corner;
I have outlived the night.
[...]

Als ich wieder die Straßen betrat, geblendet zwischen dem Kontrast von sanfter Dämmerung des Innens und mich erhitzender Sonne des Außens, fand ich Ruhe und Abkühlung unter wild-verworrenen Bäumen, in einem Park, nahe dem Friedhof von La Recoleta.
Unter ihnen sitzend, fiel mir ein, dass sie so viel älter als diese Buchhandlung sein müssen und so viel bewundernswerter.
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2012-05-09

Nachträge II

Das U-Bahn-Tier. (Für Anne und Borges.)

Hinab geht es, hinab.
Dahin, wo elektrisches Licht allein herrscht. (Und auch das Andere.)
Mit jeder Stufe,
Mit jedem Abstieg,
Wird ein Mensch zu einem Ding.
Und erst der ersehnte Wiederaufstieg in den Tag läßt,
Die Blässe, den Schweiß, den furchtsamen Blick,
schwinden.

Die Dinge lassen sich halbautomatisch bewegen.
Hier unten.
Schranken werden passiert.
Hier unten.
Chips in Schächte gesteckt.
Karten gestempelt.
Ventilatoren brummen konstant und vertreiben den Staub,
Dieses menschliche, lebendige Etwas, diese organisch-
anorganische Substanz des Lebendigen.
So wird alles dinghaft hier. Oder es vergeht.
Hier. Hier unten. Im Hinab.

Das Rauschen der angestellten Röhren:
Nachrichten von Oberhalb und entzündete Gase.
Das Artifizium ist erreicht,
Es ist unsteigerbare Künstlichkeit.

Dann die Stille vor den Geräuschen,
Alles horcht  und schaut und riecht.
Selbst die Röhren und ihre Freunde, die Ventilatoren,
Scheinen gedämpft.

Das Rumpeln der Ferne wird,
Zur Vibration in den Dingen,
Die mit den Böden sich berühren.
Das einzig Herrschende - neben dem Licht -
Hier unten,
Das mechanische Tier,
Der Apparat,
Er nähert sich.

Sein Ächzen ist atemnehmend.
Entgegen der Natur der Dinge,
Halten sie ein, fliehen nicht.
Ihr Angewurzeltsein kostet sie Überwindung an ihren Plätzen.
Ihr Stillstand für diese Augenblicke,
Steigert die angstgereicherte Dichte der dröhnenden Dunkelheit,
Die das Tier vor sich herschiebt.
Es kommt an.
Es schnauft.
Es öffnet sich.
Die elektrische Raupe lädt zur Fahrt.
Gespenstisch das Suchen der Einstiege durch die Dinge.

Im Innern.
Ein schriller Pfiff. Ein schmerzhaftes, letztes Zuschlagen der Türen,
Bevor dem Entrinnen keine Hoffnung mehr bleibt.
Ein Moment der Trägheit, dann,
Die Fahrt in die Schwärze der Tunnnel.

Alles ist alt, morsch, betagt im Innern.
Die Sitzbretter der Bänke,
Sie pressen auseinander, ihre Farbe,
Zeugt von unzählbar oft überstrichenem Firnis.
Ringe, an Leinen an die Decke gebunden,
Schwingen harmonisch im Gleichtakt,
Zum Fluß über das Gleisbett.
Dunkle Ästhetik im braun-gelben Licht,
Der alten, glimmenden Leuchten.

Abruptes Ende. Kein Ding merkt, wie
Die Fahrt - in der Unendlichkeit der Tiefe -
unterbrochen wird.
Nur, ein letztes Mal,
Werden die Dinge ungewollt vor ihrem Abgang bewegt.
Darauf fliehen sie hinaus, hinaus aus dem Innern,
Die Raupe gibt sie frei aus der Gefangenschaft der Schwärze.
Sie vermischen sich wieder, werden wieder Mensch oder Person.

Und ich?
Betrachte sie ein letztes Mal bevor,
Die Tunnel mich wieder aufnehmen,
Wie das Schraubglas den Glühwurm konserviert.
Ich zittere noch und denke,
Ob ich nicht doch einen Teil meiner Lebendigkeit,
Habe mit mir nehmen können?
Dann die Gewißheit, daß ich schwinge, wie die Ringe an der Decke.
Hinab. Immer geht es hinab.
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2012-05-03

Nachträge I



Ich möchte hier, nach ein wenig Abstand zu meiner vierwöchigen Reise und vor allen Dingen zu meinem ersten Eintrag aus Buenos Aires, noch unbedingt etwas ergänzen und korrigieren.
Als ich über Pendants der Gentrifizierung in BA schrieb, berief ich mich auf lose Gespräche und ein paar Bilder, die mir im Kopf waren. Als ich schlussendlich doch noch nach La Boca kam, mich also in einen Bus setzte, an der Endhaltestelle ausstieg und sah, was ich vorher zu beschreiben suchte, geriet ich ein wenig ins Wanken. Natürlich hat Boca diese knallbunten Anstriche von Fassaden-Wellblechen, und das vergisst auch kein Touri-Guide zu erwähnen. Und auch das Boca-Juniors-Fußballstadion, die darum liegenden Fan-Shops und die gelb-blauen Schalträger sind atmosphärisch toll. Aber daneben wiesen mich zwei Polizisten darauf hin, eine bestimmte Grenze - dank ihrer Geste in eine bestimmte Richtung verständlich - nicht zu überschreiten. Und auch ein paar Wegelagerer waren meinem eigenen Sicherheitsempfinden nicht zuträglich. Soll heißen: Boca hat gewiss ein paar Straßen, in denen Bohème-haftes, günstiges Leben möglich ist, die Straßen dieses Barrios waren angenehm verkehrs-ruhig im Gegensatz zu denen aus Almagro und an den Spieltagen der Juniors bebt vermutlich der Bürgersteig, aber dennoch sollten einige Gegenden nicht betreten werden.
Das Foto oben zeigt übrigens nicht La Boca. Unter anderem deshalb, weil man ab 18 Uhr lieber woanders weilen sollte, was mir ein Bekannte verriet.
Aber das Bild zeigt einen für mich eher seltenen Blick auf scheinbar unbewohnte und unbefahrene Querstraßen auf meinem Weg von San Telmo zurück in mein Zimmer in Almagro und verstömt, wie Boca an meinem Besuchstag, ein leichtes Unbehagen in meiner Erinnerung.
Zum Thema Unbehagen noch zwei weitere Dinge: Auch die Bürger Buenos Aires' sind nicht vor Unsicherheiten gefeit. Und eine Geschichte dieses Satzes handelt tatsächlich von La Boca.
Ein Bekannter setzte sich nach einer langen Party in einen Bus, es ist Sonntagmorgen, und er ist noch betrunken und schläft während der Fahrt ein, sodass er bis zur Endhaltestelle gefahren wird, obwohl er da nicht hin wollte. Er steigt aus, orientiert sich in dem Maß, das seine Verfassung zulässt, stellt fest, er ist in Boca und will zur nächsten Bushaltestelle, die ihn in seine Gegend zurück bringt. Als er ein bisschen läuft, steht plötzlich ein Typ vor ihm, zwei weitere positionieren sich hinter ihm und ihm wird gesagt, dass er doch bitte seine Taschen entleeren solle, weil "Knarre in der Hose". So schnell und einfach werden Überfälle erledigt. Die Situation, so wie sie der Bekannte schildert, ist natürlich unangenehm, aber in der Retrospektive beschreibt er sich eben als den, der nicht aufgepasst hätte und vor allen Dingen, dass die Typen gar nicht so unfreundlich gewesen seien. Auf Nachfrage gaben sie ihm das zurück, was er noch so brauchte, kein Geld,  aber Ausweise. Immerhin.


Ein anderes, in der jungen Gesellschaft verankertes Ritual ist das, was am Ehesten mit "never walk alone at nights" (Geh' nie allein in der Nacht) beschrieben werden kann. Freunde, die gemeinsam auf Partys gehen, werden tunlichst darauf achten, die Veranstaltung gemeinsam wieder zu verlassen. Das führt zwar zu einer leicht eingeschränkten Autonomie - denn derjenige, der gehen will, ist auch immer derjenige, der entweder warten muss oder Druck auf die anderen ausübt, mit ihm zu gehen, aber die Gefahr einer nächtlichen Belästigung ist wohl zu hoch, als dass ein anderes Verhalten sich hätte etablieren können.

Für mich ergeben sich zwei persönliche Eindrücke.
Nach meiner Ankunft dachte ich, es wäre wahrscheinlich, dass etwas aus meinem Zimmer gestohlen werden könnte, weshalb ich dauernd meine Tür abschloss und alles im Zimmer versteckte, was von Wert war. Nach kurzer Zeit konnte ich diese paranoide Vorstellung komplett ablegen und fühlte mich im Hotel sehr sicher und vertraute allen Bewohnern. Ein weiteres Verhalten, das ich an den Tag legte, war, dass ich sehr schnell durch die Straßen ging und dabei ein möglichst neutrales Gesicht machte, um den anderen anzudeuten: Seht, ich habe ein bestimmtes Ziel, ich kenne meinen Weg und ich bin nicht die freundlichste Person der Welt*, also stoppt mich nicht. Ich gebärdete mich in einer völlig übertriebenen Abweisungshaltung für die es in der Gegend, in der ich wohnte, keine Relevanz gab. Nach und nach legte ich auch dieses Sicherheitsverhalten ab und konnte ziemlich gemütlich in der Nacht spazieren, ohne mir Sorgen um mein Wohlergehen zu machen.
Nur dieses eine Mal in Boca war ich in einer Situation, der ich sehr schnell, sehr gerne entfliehen wollte, weil ich mich unsicher fühlte. Die Psychologen unter uns wird es nicht wundern, aber der gesamte Rückweg aus Boca war geprägt von einem Gefühl der dauernden Gefahr, in die ich geraten könnte. Jede unbelebte Straße war unangenehm, jeder Müllsammler ein Räuber. Erst als ich die Dauerbeschallung der Busse wieder um mich hatte, wurde mir wohler.

Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen, schrieb bereits Phädrus. Asche auf mein Haupt für meine vorschnellen Einschätzungen.

*Was auf den Befund rekurriert, dass neutrale Gesichter dazu genutzt werden können, Ableitungen über die Agressivität der Person zu machen. Dies hat mit dem Verhältnis der Breite zur Länge des Gesichts zu tun.
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2012-04-08

Abril en Buenos Aires.

Senoras y seniores!, meine Umwelt spricht Spanisch und mir kommt es nicht so vor, als wäre daran etwas falsch, denn ich bin seit circa zwei Wochen in Buenos Aires, Argentinien und wenngleich Spitzfindige meinen mögen, dass in diesem riesigen Land kein wirkliches Spanisch, sondern Argentinisch gesprochen wird, so wehre ich dies keinesfalls ab, sondern ergänze: meine Videolektionen des Telekollegs (sehr zu empfehlen: "Hablamos espanol" aus dem Jahr 1971) lehren mich klassisches Kastilisch, und ich, als eifrig Lernender dessen, erlebe erhebliche Probleme mit dem hiesigen espanol rioplatense. Das Jammern unterlasse ich gewisslich sofort, denn ich hätte mich ja frühzeitiger um eine adäquate Vorbereitung kümmern können. Ohne diese erlebte ich bereits bei meiner Ankunft in Sao Paulo, meinem Umsteigeplatz auf dem Hinweg, dass ohne Portugiesisch- oder Spanischkenntnisse schon am Flughafen der Weg in eine linguistische Komfortzone verstellt ist. Durch rudimentäres Englisch auf der einen und französisch-inspiriertes Spanisch auf der anderen - meiner - Seite gelangte ich dennoch da hin, wo ich plante, vier Wochen zu sein: In eine sehr große, sehr laute Stadt, die mir mehr durch Zufall denn Absicht ein Domizil bietet.

Behagliches Dasein.

Ich lebe in einem Hotelzimmer. Was sich komfortabler anhört, als es letztlich ist. Vielmehr möchte ich meinen, hier etwas gefunden zu haben, das sich am Ehesten als eine Schlafgelegenheit anbietet, die den 1920er Jahren in Paris, eventuell auch Berlin am Nächsten kommt. Ein Neonlicht erhellt meine Kammer, eine durchgelegene, dafür in freundlichen Farben angezogene Matratze mein Gemüt. Die Türen zum Patio sind alt, haben aber Glasfensterchen, die zumindest halbseits geöffnet werden können, um Licht einzulassen. Die Tür zur lärmenden Straße und Außenwelt dagegen verweigert sich jeglicher Helligkeit, weil vor sie noch weitere Flügeltüren gespannt wurden - der Strauchdiebe und vermutlich der Sonne wegen. Eingegittert bin ich in meinem Erdgeschoss jedoch nur bis zur Hüfthöhe, was, wenn die Ketten der Sonnenschutzflügel nicht da wären, einen leichten Zugang in mein temporäres Domizil erlaubte. Ich fühle mich dennoch ziemlich wohl und sicher, wobei ich natürlich sagen muss, dass dieses Wohlsein gesteigert werden könnte, wenn ein Gespräch mit der herzlichen Vermieterin zustande käme, was außerhalb der Begrüßung und des Abschieds oder des simplen Nickens und Bejahens stattfände. Aber da war ich bereits weiter oben, eine Beschwerde vorzubringen habe ich nicht.

Weiterer Komfort. 

Ich teile die Bäder - es muss Plural herrschen, denn von den Bädern gibt es nicht nur zwei separate, sondern es finden sich in ihnen gleich mehrere Einzelkabinen - mit allen An- und Einwohnern des Hotels. Das sind ungefähr zwanzig Personen, obwohl ich mir nicht sicher bin, da zu viele Kinder umher tollen und zu viele Frauen in der Küche tagsüber werkeln, als dass ich sie wirklich genau abzählen könnte. Zurück zu den Bädern. Sie sind durch eine geschickte Kombination von effektiver Raumnutzung und Komfort mit Toiletten und Duschen pro Kabine versehen, sodass, wer will, während des einen Vorgangs gleichzeitig der andere in Anspruch genommen werden kann. Kacheln vergangener Dekaden wurden zerschlagen, um Abflüsse möglich zu machen, genau da, wo ehemals keine Abflüsse waren und das Wasser hinfließt. Weitere Kacheln wurden entfernt, um eine bessere Beeinflussung der Spülwasser der Toilettenbecken zu ermöglichen, will heißen, ich greife in die Wand, in der sich ein Spülabzug befindet, um diesen manuell zu regulieren. Ich befürworte das Ganze unter ökologischen Aspekten, meinen ohnehin pragmatischen Ästhetizismus (gibt es das überhaupt?) zurück stellend. Weitere Nutzungsspezifikationen der Bäder ergeben sich erst aus ihrem regelmäßigen Gebrauch: dient die eine Kabine dem Abgang, so die andere dem Waschen der Hände, ist warmes Wasser gewünscht, so gebrauche man die rechts gelegenen Bäder, wohingegen kaltes Wasser eher in den linken zu finden ist. Das alles ist hübsch ausgeklügelt und erdacht und organisch in Entwicklung

Unbezahlbar.

Der größte Luxus, den ich ganz gewiss nicht zu finden gedachte, ist der Service, den "Jose Bruno" mir anscheinend dauerhaft zur Verfügung stellt: seinen Internetzugang. Das Netz gleichen Namens läuft frei und ohne Einschränkungen, was mich in die Lage versetzt, nach meinem Willen und Zeitplan online zu recherchieren, statt auf beschränkte und zu vergütende Nutzung zu bauen. Ich bin Jose sehr dankbar, wenngleich ich immer nur vermuten kann, wer der edle Spender ist.

Buenos Aires.

Das obige Bild, das ich während eines städtischen Streifzugs mit meiner Handykamera aufnahm, dokumentiert zwei wesentliche hiesige Prozesse und einen dritten, allein den deutschen Wortwitzlern zugänglichen Lippenschmunzler. Zum einen steht darin das gewünschte, imperativische Gegenteil zur argentinischen und wohl weltberühmten Fleischtradition, zum anderen die auch hier stattfindende, internationale Gentrifizierung. 
"Go veg!", übertragen und ausgesprochen: "Werde vegetarisch" bzw. "Werde Vegetarier", ist wohl ein gut gemeinter Rat einer bestimmten Sparte ökologisch-nachhaltiger Menschen, die mehr Menschen dazu anregen wollen, sich für einen gewissen Lebensstil zu entscheiden. Allein das Ausrufezeichen stört. Denn obgleich ich selbst vegetarisch lebe, selbst in Argentinien kein totes Tier anrühre (wohlwissend, dass sich dabei so mancher Gesichtszug der Lesenden in Trauer verkehren könnte), so vertrete ich eher den Ansatz von z.B. Jonathan Safran Foer, ausgeführt in dem Buch "Tiere essen", der feuilletonistisch zusammengefasst in etwa lautet: 'Zurück zum Sonntagsbraten, dem einmaligen, wöchentlichen Fleischgenuss, statt dem alltäglichen Dauerkonsum der Billigwurstwaren'. Oder anders: 'Weniger ist mehr und jeder Verzicht ein Fortschritt'. Dass ich für mich entschied, keinerlei Wurst und Fleisch noch Fisch zu essen, ist dabei weniger relevant. Was mir abgeht, ist ein Dogmatismus bzw. ein Vorschreiben jeglicher Lebensweise. 

Internationalisierung.

Gentrifizierung hingegen heißt "Hip-werden". Die Aufwertung eines Stadtteils erfolgt durch das Hinzuziehen finanzstärkerer, gut gebildeter Schichten, die die niedrigen Mieten ebenso sehr genießen, wie die vormals ärmere Bevölkerung. Während aber die Letzteren keine höheren Mieten ertragen, ist der Spielraum der zumeist studentischen, jungen, in die Kreativbranche Strebenden größer. Modeläden verdrängen nun langsam Gemüseverkäufer, Bioläden das Handwerk, Appleprodukte die Billigbierflasche. Sanierungen werden durch Finanzinvestoren vorgenommen und ein vermeintlich schönerer, sichererer, gefälligerer Stadtteil entsteht, der allen offen steht, die genügend Peseten haben, um sich an den Lorbeeren des Images oder Trends zu beteiligen. 
Palermo oder Recoleta, La Boca oder San Telmo stehen für die Barrios (Bezirke), die bereits aufgewertet sind, Once und Almagro werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Nächsten sein. 
Mit dem Zuzug der bürgerlichen Schichten verlieren in absehbarer Zeit (oder verloren bereits) diese Stadteile den Reiz des Ruchvollen, Künstlerischen, Morbiden. Der Charme verschwindet mit der Homogenisierung der Bevölkerung. 

Synthese.

Wenn demnächst also das "Go Veg!" endlich als das verstanden wird, was Deutsche, die derzeit hier aus irgendeinem, kulturell völlig unerklärlichen Grund angesagt sind, ohnehin beim Lesen verstehen, nämlich als der den verzweifelten Versuch, zu stoppen, was in so vielen Städten unaufhaltsam-gentrifizierend geschieht, dann ist nicht mehr der Wunsch nach mehr Vegetarierismus gemeint, sondern das Gegenteil: Romanes eunt domus!
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2012-03-21

"Arbeiten und nicht verzweifeln"

Man muss sich das so vorstellen: Ich. Zuhause. Arbeit. Die. Wartet. Erledigt. Werden. Soll.
Dieses putzige Geschöpf, das auf dem Bild zu sehen ist, ist einer der Gründe, warum ich innerlich die Position einzunehmen, zu imitieren geneigt bin: ich lebe seit meinem Greifswalder Abzug mit meinen Eltern und einem Kater nahe Berlin.
Eigentlich bin ich dazu angehalten, ein straffes Programm durchzuführen, das mich zu Ruhm und Öffentlichkeit verführt. Ein Artikel soll aus meiner Diplomarbeit entstehen. Aber eben nur "eigentlich". Stattdessen arbeite ich mich an jeder noch so kleinen Empfehlung des "Procrastination's Guide through the Scientific World" ab und trinke gemütlich Tee, während ich einen schlafenden Kater akribisch beobachte (passende Lektüre dazu: "Cat getting out of a bag").
Ein paar Neuigkeiten gibt es neben meiner Daseinsform dennoch, allerdings, das dürfte nach dieser Einleitung klar sein, suchte nicht ich die Neuigkeiten, sondern sie suchten mich.
  1. Ich besitze fortan einen Abschluss!, und darf mich, wenn ich endlich die schwarzen Buchstaben auf weißem Papier besitze, "Dipl.-Psych." nennen. Grandios!
  2. Ich bin einmal komplett durchge-impft und weiß nun, dass die tropenmedizinische Betreuungszweigstelle Berlin nicht davor zurück schreckt, unheilige Allianzen mit Mr. Wolfskin einzugehen - statt im grau-sterilen Bürokomplex fand ich mich zur Vierer-Spritzen-Kombination (Typhus, Hepatitis A+B und Meningokokken) in quietschig-bunter, steglitzernder Globetrotter-Atmosphäre wieder. Nach ärztlich-beratendem Verkaufsgespräch ließ ich mir meine Arme freiwillig zerstechen und zahlte schlappe 150 Euro. Yeah!
  3. Ich bin nicht tuberkulös (der Herz-Zwerchfell-Lungen-Röntgenbefund ist altersentsprechend und ohne Anhalt für pulmonale Verschattungen).
  4. Ich habe eine polizeilich weiße Weste (Führungszeugnis).
  5. Das bürgerlich-organisatorische Leben in Kleinstädten hat ungemeine zeitliche Vorteile (was ich bereits wusste. Allerdings weiß es die urbane Welt nicht oder sie amüsiert sich tatsächlich wartend - stundenlang - in vollgepfropften, ungelüfteten Ämtern).
  6. Mathematik als Zweitstudium ist neben Physik und Elektrotechnik eine echte Bereicherung. Das meine ich wörtlich. Denn Student zu sein, bleiben zu können, bedeutet Aufschub, Mobilität und monetär geringere Abgaben. Und nicht zu vergessen: köstliches, unerschöpfliches Wissen.
Die nächste Etappe, das nächste Kapitel findet sich in Südamerika, Argentinien, Buenos Aires. Und wird sich auch dort schreiben. ¡hasta la vista!
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2012-03-07

Isländische Ansichten und Beckersche Eindrücke. Oder: Apriori ins Aposteriori.

(Screenshot "Aus Politik und Zeitgeschichte. Südafrika", bpb, 1/10, 28.12.2009, abgerufen von URL http://www.bpb.de/publikationen/WIUXU3,0,0,S%FCdafrika.html)

Nachdem ich gestern mit zwei Personen über ihre südafrikanischen Erfahrungen sprach, möchte ich sie heute erinnernd wiedergeben. 
Die erste Begegnung war zufällig und  durch das attraktiv-frittierte Großmengenessen der Studentenstadt inspiriert, die andere geplant gesundheitsorientiert, dem gesprächigen Laufen verpflichtet. Gegensätze also, die die Balance eines Tages ausmachen.
Die mir bekannte, perfekt deutsch-sprechende Isländerin fasste ihre zweimonatigen Erfahrungen in Südafrika als "krass" zusammen. Nur um hinzuzufügen, dass ich nicht so sehr auf Andere hören solle, sondern vielmehr auf mich und meine sich gewiss einstellenden Erfahrungswerte. Als ich ihr vom Konstruktivismus sprach und der darin zu findenden Aussage, dass selbst dieses kleine, genannte Adjektiv Welten der Illusion und Imagination eröffneten, entlockte ich ihr doch ein paar ergänzende Worte. 
Sie erzählte, dass sie sich nie unwohler in gesellschaftlichen und nie wohler in natürlichen Kontexten gefühlt hätte. Zum einen hätte sie es als sehr künstlich und gegen den inneren Impuls des Helfens gerichtet, empfunden, z.B. an Straßenrändern liegen gebliebene Autos samt stehenden Menschen zu ignorieren. Warum Ignoranz und Flucht statt Stopp und Hilfe? Weil eine äußerst hohe Kriminalität und dazu eine "pervers hohe Vergewaltigungsquote" jedes Alarmsystem des aufgeklärten Bewusstseins einschalten sollten. Der Gegensatz, die Natur, könne nicht weiter entfernt von dieser abschreckenden, kulturellen Gefahr sein: es wäre vollkommen klar, so ihre Worte, warum sich Menschen in dieser Weltgegend nieder gelassen hätten, denn es seien Orte darunter, an denen Gott die Erde geküsst hätte. 
Dennoch galt der isländischen Bekannten, dass der Preis der sicherheitsgebundenen Unfreiheit ein zu großer sei, um dauerhaft dort leben zu können. Ihre unangenehme Unruhe verschwand erst, als sie die Grenze zu  einem Nachbarland querte.

Die andere Erzählung erhielt ich von 00-Becker, einem ausgemachten Weltreisespezialisten. Südafrika sei als Ganzes ein Höhepunkt seiner Reisen gewesen (des Weiteren besuchte er Argentinien, Uruguay, Bolivien und Peru, zuvor auch schon Neuseeland und Australien). Er war fasziniert von diesem kontrastreichen Land, den spürbaren Spannungen, aber auch und vor allem dem Natur-Reichtum. Er berichtete von durstigem Streckenwandern, zu nahe kommenden, nächtlichen Elefantenherden und abgelegenen Gebieten im Krüger-Nationalpark (Näheres hier), von Townships (hier und hier), reichen Weißen, latentem Rassismus und neuen Geschäftspraktiken der Sicherheitsdienstleistungsbranche ("Für zwei Rand passe ich auf Dein Auto auf. Wenn Du nicht zahlst, kann ich für die Scheiben nicht garantieren"). Auf unserer sportlichen Ryck-tour sprachen wir ferner über kulinarische Köstlichkeiten, insbesondere Fleischgerichte ("Die haben alles!, jedes Tier ist dort essbar."), und die zumindest theoretisch denkbaren Möglichkeiten des in der Praxis scheinbar aussichtslosen Versuchs, meinen Vegetarismus beibehalten zu können. 

Meine vorläufigen Gedanken: ich kann nicht anders, als mir diese erzählten Eindrücke vorzustellen, sie in mein ohnehin vorhandenes Bild Südafrikas zu integrieren. Schrecken sie mich ab? Locken sie mich an? Beides gilt. 
Ich kann die isländischen Ansichten, mit dem Fokus auf Menschlich-Interaktionelles, nachvollziehen und glaube dennoch an die auch mich befallende Faszination der von beiden geteilten, aber in der Beckerschen Welt dominierenden Natureindrücke. 
Vielleicht ist der hier gesetzte, sprachliche Unterschied der Entscheidende: während ich mit Achtung und Vorsicht, den mich zurück haltenden Tendenzen in mir, voran schreite, die Warnungen höre, umarme ich neugierig, das Beste glaubend und hoffend, das natürliche Neue. Der Mehrwert des "Erfahrens" in beiden Fällen wird sein, dass ich mit mehr als dem einschätzenden Teil meines Verstands begreifen werde, was meine Umwelt mir sensuell zu verstehen geben wird. Die Spannung steigt.
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2012-03-04

Verträge.

Es ist so weit: meine Unterschrift sollte sich sehr bald auf zwei Exemplaren eines Vertrags mit dem Welthaus und alles zusammen auf dem Weg gen Bielefeld befinden, um trockene Tücher in Sack und Tüten zu stopfen und eine gewiss-ungewisse Zukunft dingfest zu machen. 
Durch einen postalischen Irrtum, den ich sehr skeptisch betrachte, weil sonst fast* jeder Brief meine Adresse erreicht, erhielt ich den Packen Papiere erst sehr spät, um genau zu sein, zwei Wochen zu spät! Ich gebe ja zu, dass das studentenwerkische System der Postfächer nicht ganz einfach zu verstehen ist, da nicht etwa Haus- und Wohnungsnummern an den Boxen prangen (so wie z.B. 8/6), sondern einfach ganz neue Nummern, vermutlich aus Gründen der ästhetischen Zierde, darauf gedruckt wurden (wie z.B. 36). Aber diese sind wiederum eindeutig mit den anderen Nummern verknüpft. Und das sollte auch jedem Zusteller bekannt sein. Sollte. In Anbetracht der Nutzung alternativer Dienste jedoch (wie auf dem Bild zu erkennen, hieß der zu drangsalierende, anzuklagende, vielleicht unwissende Täter "Citypost"), konnte das Unterfangen nur misslingen. Denn neben dem vermeintlichen Monopol der brieflogistischen Transporte, herrscht ebenso das Monopol des Dechiffrierens auf Seiten der einen, wahren Post. Anyway.

Es gibt also kommende Aufgaben und ich werde ihr Bewältiger sein, mit oder ohne Fristenwahrung. Die Liste nenne ich ganz altmodisch "Termine" und auf ihr steht Folgendes:
  1. Verträge zurück senden (einfaches, schnell erfassbares und passendes Adjektiv: schnell!), 
  2. Ummeldung vornehmen, d.h. von Greifswald nach Strausberg auf dem Papier ziehen und sowohl in Reisepass als auch Ausweis eintragen lassen, wo ich fortan wohne und eine Kopie des Reisepasses in die signierten Vertragsmappen legen,
  3. ärztliches Attest einholen, d.h. eine Generaluntersuchung meiner Gesundheit vornehmen lassen inklusive auf eine Überweisung zum Radiologen bestehen - diese dient dem südafrikanischen Konsulat zur Ausstellung meines Visums, das ohne eine tiefgründige Inspektion meiner Lungen zur Feststellung bzw. Nichtfeststellung von Tuberkulose nicht ausgegeben werden kann/darf,
  4. polizeiliches Führungszeugnis beim Bürgerbüro mitbeantragen und für das Visum parat halten - interessanterweise scheint egal, welches Führungszeugnis beantragt wird, ich wähle einfach das private (es gibt auch ein behördliches),
  5. Impfungen. Das ist eigentlich einen ausführlichen, medizinischen Fachvortrag wert, ich begrenze ihn aber auf die Nennung der wesentlichen Aktualisierungen, denen ich nachgehen sollte und verweise auf meine, mir nahe stehenden Ärzte, falls Fachfragen auftreten sollten:
  • Diphterie, Keuchhusten, Wundstarrkrampf, liebevoll 'DiKeWu' abgekürzt und laut Impfausweis das letzte Mal 2001 injiziert;
  • Polioimmunisierung - letzte Injektion noch in der DDR 1987 erhalten;
  • Tollwut - mal sehen, ob ich das wirklich brauche, da ich nicht die ganze Zeit im Krüger-Nationalpark herum schlurfe, sondern eher in der Großstadt von Hunden gebissen werde;
  • Malaria?, ich werde das Tropeninstitut aufsuchen müssen, um aktuelle Informationen zur Prophylaxe zu erhalten. Prinzipiell gilt wohl das Gleiche wie bei der Tollwut;
  • Hepatitis A und C - na toll! Gegen B wurde ich 2003 geschützt, gegen A und C kein bisschen;
  • die sog. MMR (Mumps, Masern, Röteln) zuletzt 2003 erhalten;
  • Influenza - ich sollte mal wieder;
  • Gelbfieber?, nun, das ist heikel, denn obwohl ich voraussichtlich in kein Risikogebiet (laut AA/RKI-Liste 2011) einreise (Südafrika zählt nicht dazu, genauso wenig wie alle Grenzländer, wie Namibia, Botsuana, Simbabwe oder Mozambique, in die ich vermutlich reisen werde, wenn Zeit vorhanden ist), kann sich der Status ziemlich schnell ändern. Auch das ein Fall für "Informationsbeschaffungsmaßnahmen" in Tropeninstituten.

So weit, so gut. Neben den beschriebenen Hügeln der Organisation beginnt meine vorerst letzte, studentische Woche in Greifswald und als ich heute in den Norden fuhr, erstarrte ich nicht einmal ein bisschen in Ehrfurcht vor der den anderen viel greifbareren Monumentalität des Ablaufs studentischer Zeiten der Muße. Sensible Interpretatoren meiner psychischen Verfassung dürfen sich ihrer Materie annehmen, ich genieße derweil das kleine Stück Erlösung, das in diesem letzten Akt steckt.
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*Das "fast", also die Formulierung des Beinahe-So-Seins, der nur leichten Unstimmigkeit zum Absoluten, verdanke ich der heute erst gesammelten Information meiner lieben Cousine, die mir bereits im letzten Jahr etwas zudachte, was nie ankam und nun vermutlich in stickig-muffigen Postamtskellern vermodert und ein unwürdiges Dasein fristet, da doch der Inhalt multiplikativen Mehrwert, auch für die Post selbst, für sie sogar monetären, hatte, weil ganze Anthologie von Ansichtskarten Inhalt des Päckchens waren.
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2012-02-17

Fristgemäße Abgabe.

Hejhej digitale Welt, ich wandle wieder auf Dir, gehe ein paar zaghafte Schritte, recke und strecke mich, um schließlich zu sprechen. Es ist vollbracht, die "Fristgemäße Abgabe" meiner Diplomarbeit erreicht und ich ein weniger freier als noch zuvor. Das Übliche geschah: in fünfminütiger Freude wähnte ich mich glücklich, dann folgten der Stimmungskontrast, die Unruhe und all die Zweifel zur Frage, ob nicht doch dieser eine Bindestrich anders gesetzt hätte werden sollen. Als Gedanken- und Handlungsalternative bot sich mir die Blutbank an, die mich mit einem sensationellen Hämoglobinwert von 8,7 mmol/l zur Spende nur so durchwinkte (alle Vegetarier verstehen vermutlich sofort, welche Sensation darin steckt). Zwar gab es noch ernste, ärztliche Worte meinen niedrigen Blutdruck betreffend - mit mahnendem Zeigefinger wurde mir das Schlafen während des Spendevorgangs untersagt -, aber schließlich hielt mich niemand mehr vom Eintritt in die Sphäre der Transfusionsschwestern ab und das Adjektivpärchen "total anämisch" wurde mir ebenfalls nicht in den Spendenausweis eingetragen. Während meines dahinfließenden Blutes überlegte ich, dass es so langsam an der Zeit und zudem eine gute Idee sei, mich als Stammzellenspender anzumelden. Neben der irre aufregenden Operation in Vollnarkose, die schon an sich ein Abenteuer verspricht, weil riesige Punktionsnadeln in meinen Beckenkamm gerammt würden, gäbe es noch die Anerkennung und den Dank des Empfängers. Ich unterzeichnete schnell und impulsiv und tagträumte daraufhin, wie ich in der Organspenden-Szene der Monty Pythons von sehr seriös wirkenden Männern statt der Leber um mein Knochenmark gebracht würde. 
Neben den Albernheiten: mein Blutgeld geht dieses Mal an Afrikas Renaissance und Wiederaufbau - einen Greifswalder Verein, der nicht nur spannende Vortragsabende organisiert, sondern auch an der internationalen Zusammenarbeit interessiert ist. Nachhaltig ;-)
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2012-02-06

Vorläufige Planungen ...



Hejhej, es gibt Aktuelles: heute erreichte mich eine organisatorische E-Mail vom Welthaus Bielefeld mit den vorläufigen Terminen zum weiteren, planerischen und konkreten Ablauf meines Weltwärtsdienstes. Klar wurde, dass ich vom 14. bis zum 20. Mai wieder in Bielefeld sein muss, um an einem ersten Vorbereitungsseminar teilzunehmen. Es wird wohl noch ein zweites Vorbereitungsseminar geben, aber terminlich steht da noch nichts fest. Mein Aus-flug jedoch, ist präziser geworden: im Zeitraum 15. bis 30. August werde ich mich in ein Flugzeug begeben, um in circa 11 Stunden in Johannesburg zu sein - hurray! 
Außerdem: mein namibischer, oshivambo-sprechender Mitbewohner Johannes (das ist der nette junge Mann auf dem Bild) sagte mir erst vor Kurzem, dass ich Afrikaans lernen sollte - eine zwar kolonial wirkende, aber wichtige Lingua franca (16-20 Millionen Sprecher) im südlichen Afrika. Wohlwollend fügte er noch hinzu, dass ich als Deutscher da wohl wenig Probleme haben sollte. Eine Erfahrung, die ich bereits durch das Schwedische kenne: sprich' einfach die deutschen Worte und "schwedele" sie dem Klang nach. Aber ernsthaft: eine neue Sprache, so ähnlich sie auch zu der bereits Gesprochenen sein mag, verlangt Vorbereitung und Ausdauer. Das Internet ist, wie in so vielen Dingen, der naheliegendste Vermittler. Durch mein Stöbern gelangte ich zu Openlanguages.net, ein Portal, auf dem neben Afrikaans auch so weit verbreitete Sprachen wie Koreanisch (78 Millionen Sprecher), Swahili (80 Millionen Sprecher) oder Bemba (4 Millionen) gelernt werden können. In einer sprachlichen Startsektion gefiel mir in besonderer Weise der Satz: "Ek is jammer, ek het nie vandag my Afrikaanse ore aan nie. Kan jy asseblief Engels praat", was so viel heißt, wie: "Verzeih' bitte, ich vergaß heute meine afrikaans-hörenden Ohren aufzusetzen. Können wir nicht Englisch sprechen?" 
Eloquent ausgeführt, evoziert der Satz das bekannte Phänomen, irritierend zu wirken. Meine letzte derartige Erfahrung dieser Art machte ich in Schweden, als ich nach einer schwedischen Antwort auf Schwedisch verlangte, bitte ins Englische zu wechseln. Während einer Pragreise erging es mir ähnlich, als ich um eine Ortsauskunft bzgl. einer Straße oder eines Geschäfts gebeten wurde (verständlicherweise kann ich nicht mehr direkt wiedergeben, was ich gefragt wurde, allein was ich antwortete, kriege ich noch zusammen: "Promiňte, nemluvím česky"). 
Überraschte Gesichter bleiben mir in Erinnerung, die für einen etwas zu langen Moment darüber nachdachten, was sie nun tun sollten. Aber was soll da auch gedacht werden, wenn ein Fremdländer, den man gerade noch als Landsmann hat durchgehen lassen oder sogar angesprochen hat, nicht fremdländisch agiert, indem er sonderbarerweise die jeweilige Sprache spricht und in der er sodann ausdrückt, er könne sie nicht sprechen, obwohl er sie soeben sprach? Nun, ich begreife ihre je eigene Verwirrung und bin gespannt auf die noch kommenden. Totsies/Ahoi.
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2012-02-04

Quasi-unendliche Möglichkeiten.

So, da ist sie, meine neue Kamera, die frisch vor zwei Tagen bei mir einflatterte und mich nun in den digitalen Stand der Fotografie erhebt. Die Marke drängt in jedes Bild, das ich von dem Apparat probierte, und so versuche ich gar nicht erst, zu kaschieren, was nicht zu verstecken ist. 
Mittels dieser (A1200) und anderer Gerätschaft (EXA1A und EOS 500N) werde ich meine Blogschaft erfreuen und Bilder erlegen, die sonst nur vom Auge gefangen werden können. Again: stay tuned.
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